Keine Arzthaftung wegen unzureichender Thromboseprophylaxe nach Skiunfall

OLG Hamm, 18.10.2013, 26 U 119/12 

Eine zu einer tödlichen Lungenembolie führende Thrombose, die durch Knieverletzungen infolge eines Skiunfalls bei einer 64jährigen Patientin ausgelöst wurde, führt nicht zu einer Haftung des die Patientin 2 Tage vor der Lungenembolie behandelnden Orthopäden wegen unzureichender Thromboseprophylaxe.

Die Patientin verunfallte im Februar 2009 im Skiurlaub. Sie zog sich eine Distorsion beider Kniegelenke und eine Innenbandläsion eines Kniegelenks zu. Die Patientin wurde mit einer Kniemanschette und zwei Gehhilfen versorgt. Nach ihrer Heimkehr stellte sie sich in der Praxis der beiden beklagten Orthopäden vor. Dort wurde nach ärztlicher Untersuchung die Manschette entfernt und die Patientin an eine radiologische Praxis verwiesen, in der ca. 10 Tage später ein MRT erfolgen sollte. Bereits zwei Tage nach der Behandlung bei den Beklagten erlitt die Patientin infolge einer Thrombose eine Lungenembolie und kollabierte. Notärztlich wiederbelebt entwickelte sich bei der Patientin ein Hirnödem, durch welches sie wenige Tage später verstarb. Die Hinterbliebenen verklagten die Orthopäden wegen Behandlungsfehler auf Schadenersatz. Zur Begründung wurde angeführt, dass die Beklagten behandlungsfehlerhaft eine ausreichende Thromboseprophylaxe unterlassen hätten.

Die Klage blieb erfolglos. Nach der Anhörung eines medizinischen Sachverständigen konnte das OLG Hamm nicht feststellen, dass die Beklagten behandlungsfehlerhaft eine Thromboseprophylaxe unterließen. Das Abnehmen der Kniemanschette und die Aufforderung an die Patientin, das verletzte Bein schmerzadaptiert voll zu belasten, seien eine seinerzeit ausreichende Behandlung gewesen. Für eine weitere Abklärung eines Thromboserisikos habe es keine anamnestischen oder klinischen Anhaltspunkte gegeben. Ohne diese Anhaltspunkte sei auch eine medikamentöse Prophylaxe nicht indiziert gewesen. Eine sich erst anbahnende Thrombose sei klinisch nicht zu diagnostizieren.