Behandlungsfehler bei unterbliebener Aufklärung über alternative Behandlungsmöglichkeit einer Fraktur

OLG Karlsruhe, 12.06.2013, 7 W 26/13

 

Der Arzt muss dem Patienten im Allgemeinen nicht ungefragt erläutern, welche Behandlungsmethoden theoretisch in Betracht kommen. Die Wahl der Behandlungsmethode bleibt grundsätzlich dem Arzt überlassen. Der Arzt ist lediglich verpflichtet eine Therapie anzuwenden, die dem medizinischen Standard genügt. Wenn für eine medizinisch sinnvolle und indizierte Therapie mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die zu jeweils unterschiedlichen Belastungen des Patienten führen oder unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen bieten, gebietet die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts des Patienten aber die ärztliche Aufklärung über eine alternative Behandlungsmöglichkeit. Dem Patienten muss in diesem Fall nach entsprechend vollständiger ärztlicher Aufklärung die Entscheidung überlassen bleiben, auf welchem Wege die Behandlung erfolgen soll und auf welches Risiko er sich einlassen will. Führt der Arzt bei einem stark übergewichtigen Patienten mit einer Knochenfraktur eine problematische Osteosynthese durch, ohne über eine konservative Behandlungsmethode zu informieren, ist ein ärztliches Fehlverhalten anzunehmen.