Abstöpseln einer Infusion ohne vorherige Desinfektionsmaßnahmen ist grober Behandlungsfehler

OLG Hamm, Urteil vom 08.11.2013, Az.: 26 U 62/12

 

Einem Krankenhauspatienten stehen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche wegen fehlerhafter ärztlicher Behandlung zu, wenn er mit MRSA-Keimen (multiresistenten Staphylokokken) infiziert wurde. Voraussetzung ist die Feststellung, dass das Abstöpseln einer bei ihm gelegten Infusion ohne vorherige Desinfektionsmaßnahmen erfolgt ist. In einem solchen Fall liegt ein grober Behandlungsfehler vor. Dieser führt hinsichtlich der Kausalität zu einer Beweislastumkehr. Die Ursächlichkeit angesichts der Eignung, den Schaden herbeizuführen, kann nicht in Frage gestellt werden. Die Infektion hat im konkreten Fall zu schwerwiegenden Komplikationen geführt. Diese hatten langandauernde ärztliche Behandlungen mit einhergehender Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Das OLG Hamm erachtete daher ein Schmerzensgeld von 40.000 Euro für angemessen.