Arzthaftung für grob fehlerhaften Befund während einer Schulter-OP

OLG Hamm, Urteil vom 18.02.2014, 26 U 152/13 

Unterlässt der Operateur die gebotene intraoperative Bildgebung bei der operativen Versorgung einer Schultereckgelenksprengung und bringt deshalb die Bohrung für die einzubringende Schraube zu nahe am Gelenk an, ist dies grob behandlungsfehlerhaft. Es liegt ein grober Befunderhebungsfehler vor, wenn sich der Operateur nur auf seine eigenen Augen und Erfahrung verlässt und auf die gebotene Bildgebung in zwei Ebenen (Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Projektionsrichtungen) habe der Operateur verzichtet.

Der 26. Zivilsenat des OLG Hamm hat dem Kläger ein Schmerzensgeld i.H.v. 8.000 Euro zuerkannt, weil sich der Operateur mit zwei Aufnahmen aus zwei dicht beieinander liegenden Winkeln begnügt hat. Aufgrund der mit dem groben Befunderhebungsfehler verbundenen Beweislastumkehr gingen die Aufwendungen für die Revisionsoperation zu Lasten des beklagten Krankenhauses. Nach dem erkennenden Senat sei nicht auszuschließen gewesen, dass die zweite Operation bei ordnungsgemäßer Befundung zu vermeiden gewesen wäre.