Beweislastumkehr bei Unterlassen der Erhebung medizinisch gebotener Befunde

OLG Naumburg, Urteil vom 19.12.2013, Az.: 1 U 1/13

 

Das Unterlassen der Erhebung medizinisch gebotener Befunde kann zu einer Umkehr der Beweislast für die haftungsbegründende Kausalität führen. Voraussetzung hierfür ist, dass die versäumte Untersuchung fiktiv mit hinreichender Wahrscheinlichkeit von mindestens 50 % einen so deutlichen und gravierenden reaktionspflichtigen Befund ergeben hätte, dass sich die Nichtreaktion auf diesen Befund als grob fehlerhaft darstellen würde. Bei einem Bandscheibenvorfall hat regelmäßig eine konservative Therapie der operativen Therapie vorauszugehen. Eine Operation ist allerdings dann durchzuführen, wenn die Beschwerden anhalten oder Störungen der betroffenen Nervenwurzelanteile zunehmen oder mit einer Erholung der Nervenwurzel nicht mehr zu rechnen ist. Eine bedrängte Nervenwurzel des Patienten ist dagegen kein Notfall, der eine sofortige Operation erfordert, sondern es besteht lediglich die Dringlichkeit einer Behandlung.