Sachverständiger darf nicht unter Berufung auf Expertenmeinung von medizinischer Leitlinie abweichen

OLG Hamm, Beschluss vom 18.06.2014, Az.: 3 U 66/14

 

Es bedarf einer nachvollziehbaren Begründung, wenn die Beurteilung eines Sachverständigen von einer Leitlinie medizinischer Fachgesellschaften abweicht. Die Berufung auf die eigene Expertenmeinung reicht hierfür alleine nicht. Beruft sich der Sachverständige bei einem Patienten mit einem Kubitaltunnelsyndrom auf die Auffassung, im Falle einer Luxation sei stets eine Verlagerung des betroffenen Nervs notwendig, so ist dies allein seine eigene Expertenmeinung. Der Verweis auf die persönliche Expertenmeinung des Sachverständigen ist jedoch nicht ausreichend für die Begründung, warum eine ärztliche Vorgehensweise, die im Einklang mit der Leitlinie steht, nicht dem medizinischen Standard entsprechen soll. Das Gericht ist regelmäßig nicht verpflichtet, eine Gegenüberstellung mit einem aus diesem Grund neu beauftragten Sachverständigen anzuberaumen.