Privatgutachten im Arzthaftungsprozess

OLG Hamm, Urteil vom 30.01.2015, Az.: 26 U 5/14


Zum Grundsatz des fairen Verfahrens im Zivilprozess gehört vor allem auch eine entsprechende Handhabung des Beweises. Im  Arzthaftungsprozess, in dem typischerweise ein Informationsgefälle zwischen der ärztlichen Seite und dem Patienten besteht, ist dieses Ungleichgewicht soweit als möglich auszugleichen. Einer medizinisch nicht sachkundigen Partei ist deshalb Gelegenheit zu geben, unter Zuhilfenahme eines weiteren Mediziners zu schwierigen medizinischen Fragen nach Vorliegen des gerichtlich eingeholten Gutachtens nochmals Stellung zu nehmen. Dem Privatgutachten ist dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken wie dem gerichtlich eingeholten Gutachten. Es kann zudem geboten sein, zu schwierigen medizinischen Fragen ein schriftliches Sachverständigengutachten anzufordern und es nicht bei einem mündlichen, in einer Verhandlung erstatteten Gutachten zu belassen.