Ärztliche Aufklärungspflicht vor Reposition einer Schulterluxation

OLG Koblenz, Beschluss vom 10.11.2015, Az.: 5 U 428/15

Nach einer Schulterluxation ist die sofortige Operation in der Regel gegenüber dem Versuch der Reposition keine gleichwertige Behandlungsalternative, über die der Patient aufgeklärt werden muss. Eine Operation ist erst zu erwägen, wenn der Versuch der Reposition scheitert. Die Wahl der konkreten Behandlungsmethode ist nach dem allgemein anerkannten Grundsatz der Therapiefreiheit primär Sache des Arztes. Solange dieser eine Therapie anwendet, die dem aktuellen medizinischen Standard entspricht, muss er dem Patienten im Allgemeinen nicht ungefragt erläutern, welche Alternativen theoretisch in Betracht kommen und mit welchen Vorzügen oder Nachteilen diese jeweils verbunden sind. Nur wenn für den konkreten Behandlungsfall mehrere gleichermaßen indizierte Behandlungsmethoden mit unterschiedlichen Risiken und Erfolgschancen zur Verfügung stehen, besteht für den Patienten eine echte Wahlmöglichkeit, die es dem Selbstbestimmungsrecht folgend gebietet, ihm die Entscheidung darüber zu lassen, auf welchem Weg die Behandlung erfolgen soll und auf welches Risiko er sich einlassen will.