Überwachung einer Ärztin in Weiterbildung; selbständige Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung

OLG Köln, Urteil vom 09.01.2019, Az.: 5 U 25/18

Die Wahrung fachärztlichen Standards setzt nicht zwingend voraus, dass der Eingriff von einem Arzt durchgeführt wird, der die Facharztausbildung vollständig und erfolgreich absolviert hat. Ein Assis­tenzarzt kann und muss mit fortschreitender praktischer Erfahrung selbständig Behandlungsmaßnah­men vornehmen. Dies gilt für Herzkatheter-Untersuchungen ebenso wie für sonstige Eingriffe, insbe­sondere Anfängeroperationen. Allerdings darf dem Patienten hierdurch kein zusätzliches Risiko ent­ste­hen. Soweit dem in Weiterbildung befindlichen Arzt die vom Facharztstandard geforderte Er­fah­rung fehlt, muss dies durch besondere Maßnahmen der Überwachung und jederzeitigen Eingriffs­bereitschaft durch einen erfahrenen Arzt ausgeglichen werden. Die Überwachung einer Ärztin in Weiterbildung bei der selbständigen Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung ist dann ausrei­chend gewährleistet, wenn sie durch einen Oberarzt erfolgt, der dem Geschehen von einem angrenzenden Monitorraum aus folgt.